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"Kommunistisch im Dritten Reich" ein Zeitzeugengespräch mit Karla Spagerer

„Solange ich kann, stehe ich für das Recht ein!“ - ein Zeitzeugengespräch mit Karla Spagerer in den Sankt Raphael Schulen Heidelberg.

Am Freitag, den 13. Dezember 2019, warten Schüler der Kursstufe des Sankt Raphael Gymnasiums zusammen mit ihrem Lehrer Matthias Kneller gespannt darauf, dass Karla Spagerer das Wort erhebt. Und als sie dies nach kurzer Vorstellung ihres Begleiters Martin Willig, einem Sozialpädagogen, verantwortlich für das Fanprojekt beim Sportkreis Mannheim, tut, hat sie spätestens jetzt die volle Aufmerksamkeit ihrer Zuhörer. Mit fester Stimme berichtet Karla Spagerer von ihrem Leben in Mannheim zu Zeiten des Nationalsozialismus.

Karla Spagerer, eine der letzten Zeitzeuginnen, kommt aus einer politisch kommunistisch-engagierten Familie aus Mannheim Waldhof. Ihre Großmutter stand im engen Kontakt zur Lechleitner-Gruppe, eine kommunistische Widerstandsgruppe, gegründet in Zeiten des Nationalsozialismus. Karla berichtet, wie sie mit den Kindern Jacob Faulhabers und Max Winterhalters auf der Straße spielte. Damals war sie noch ein kleines Kind, das die mutigen Aktionen der eigenen Großmutter und der Gruppe, wie das Drucken von Flugblättern und das damit verbundene Riskieren des eigenen Lebens nur aus späteren Erzählungen ihrer Mutter erfuhr.

Dahingegen hat sie umso klarere Erinnerungen an das Abholen ihrer Großmutter, die vormals Stadträtin der KPD in Mannheim gewesen ist, durch die Gestapo und die folgenden Durchsuchungen des eigenen Hauses, die, wie sich später herausstellte, durch die eigene Familie veranlasst wurden. Sehr eindrücklich berichtet sie auch vom 15. September 1942, dem Tag, an dem sie das „rote Plakat“ entdeckte, auf welchem die Namen der hingerichteten Mitglieder der Lechtleitner-Gruppe standen. Karla Spagerer hat es sich zu ihrer Aufgabe gemacht, diese „Namen nicht in Vergessenheit geraten zu lassen“ und ihre Geschichten weiterleben zu lassen.

Ergreifend und hautnah berichtet Karla Spagerer, wie sie erst vor wenigen Jahren von den tragischen Schicksalen ihres nach Moskaus emigrierten Onkels und von den Schicksalen zwei jüdischer Bekannten ihres Vaters erfuhr. Auch von der Reichspogromnacht und ihrem Leben voller Angst, sei es in der Schule oder auf der Straße, beim Beobachten von Verhaftungen, Zerstörungen und Verrat innerhalb Familien und Nachbarschaften berichtet sie den Schülern: „Obwohl ich noch so jung war, wusste ich, dafür gibt es keinen Trost.“

Im Verlauf der anschließenden Fragerunde beantwortet sie Fragen zum Leben im Krieg und wie sehr dieser die Menschen veränderte, wie sie beispielsweise ihren Vater nach der Kriegsgefangenschaft beinahe nicht wiedererkannte. Sie erzählt von Lebensmittelknappheiten und Fußballspielern, die beim SV Waldhof Mannheim für eine Mahlzeit und eine Dusche spielten. Außerdem von Bombenangriffen, dem Leben im Bunker und der beinah kompletten Zerstörung Mannheims, aber auch vom Kriegsende, dem Einzug der Amerikaner, der „Befreiung“.

Karla Spagerer möchte an ihre Geschichte, und auch an die Geschichte von denen, die das nicht mehr selbst können, erinnern und sie weitergeben. Sie betont, wie sie früher ein „Leben voller Angst führte“ und betont die Wichtigkeit der Erhaltung der Demokratie und der Meinungsfreiheit. Anlässlich aktueller Geschehnisse in der Politik warnt sie die Schüler: „Seid wachsam“ und „hört genau hin“ und "setzt euch für die Werte der Demokratie ein". Abschließend ermutigt sie die Schüler ihre Geschichte weiterzuerzählen, denn „wenn man die Vergangenheit nicht kennt, kann man die Zukunft nicht gestalten.“

An dieser Stelle bedanken wir uns herzlich bei Matthias Kneller, der seinen Deutsch- und Geschichtskursen diese eindrückliche Erfahrung ermöglicht hat. Wir danken vor allem auch Karla Spagerer, die uns durch ihre persönliche Schilderung zutiefst beeindruckt und zum Nachdenken angeregt und auch Martin Willig vom Fanprojekt Mannheim, der den Besuch organisiert und moderiert hat.

Text: Annika Andratschke (KS1)
Fotos: Carolin Walter (KS2)

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Fr, 16.10.2020
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