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Stadtführung "Koloniale Spuren in Heidelberg?"

Am 12. Oktober 2017 unternahm die Klasse 10F im Zuge der Unterrichtseinheit „Kolonialismus“ in Geschichte zusammen mit den Geschichtslehrern Steve Bahn und Matthias Kneller einen Stadtrundgang, um der Frage von kolonialen Spuren in Heidelberg nachzugehen. Die Führung wurde von Frau Tatjana Poletajew vom Verein „schwarzweiss e.V.“ bzw. dem "Globalen Klassenzimmer" geleitet.

Unseren ersten Halt machten wir beim Völkerkundemuseum. Dort machte uns Tatjana darauf aufmerksam, wie das Völkerkundemuseum in Heidelberg als ein Beispiel für viele andere Kolonialmuseen gesehen werden kann, welches teilweise koloniale Gegenstände unreflektiert präsentiert und über die Hintergrundgeschichten oftmals kaum Informationen für die Besucherinnen und Besucher bereithält. Dort sprachen wir grob über die Anfänge des Kolonialismus im Allgemeinen und den deutschen Kolonien im Besonderen sowie über die Opfer und das vermeintliche Ende des Kolonialismus, womit wir eine grobe zeitliche Orientierung erhielten.

Der Verein „schwarzweiss e.V.“ beschäftigt sich vor allem mit Themen, die von Stereotypen und Diskriminierung geprägt sind. In diesem Sinne wurden wir an unserer zweiten Station, dem Kornmarkt, spielerisch von Tatjana auf unsere Vorurteile gegenüber Afrika getestet.

Bei unserem dritten Halt, auf dem Marktplatz, überlegten wir uns, wie sich der Kolonialismus immer noch in unserem Alltag zeigt. So sind Waren wie beispielsweise Tabak, Tee, Kaffee, Zucker und Bananen für uns mittlerweile selbstverständlich, entsprechen sie jedoch klassischen Kolonialprodukten. Ein anderes Beispiel für die noch immer vorhandenen und überall vorkommenden Spuren dieser Zeit ist die Einkaufskette "EDEKA". Kaum einer weiß, dass der Name für "Einkaufsgenossenschaft der Kolonialwarenhändler (E.d.K.)" steht. Der Grund, weswegen wir auf dem Marktplatz hielten, war der Kolonialwarenladen Rüdinger, der schon seit 1891 geöffnet ist.

Zudem sprachen wir über die Kolonialwirtschaft, die dazu führte, dass fremdbeherrschte Länder in den Ruin getrieben wurden. Viele Länder mussten große Massen an Gütern wie Bananen, Baumwolle oder andere Kolonialwaren produzieren und exportieren, die eigenen Bedürfnisse mussten dabei hinten angestellt werden. Zudem mussten sie Vieles teuer importieren.

Tatjana erzählte uns, dass die Kolonien sowohl für Deutschland als auch für die meisten anderen Kolonialmächte ein Verlustgeschäft waren. Dabei stellte sich uns die Frage, warum es so viele Kolonien gab. Diese Frage ließ sich jedoch leicht beantworten: es war ein einfaches und kinderleicht zu verstehendes Prinzip: Es ging einzig um Prestige und der Konkurrenz unter den Kolonialmächten.

Bei unserer vorletzten und größten Station sprachen wir hauptsächlich über Rassismus. Dafür gingen wir am Tabakladen "Scheuring" in der Hauptstraße vorbei. Dieser hat einen dunkelhäutigen Mann mit Bananenrock und Zigarette als Logo. Mit einer ähnlichen Figur wirbt er auch im Schaufenster. Wir sprachen ein wenig über die Figuren und uns stellte sich die Frage, ob solche ein deutliches Bild des Rassismus abgeben und in Deutschland erlaubt sein sollten, denn diese drücken eine „Rückständigkeit“ und „Gegensätzlichkeit“ von Dunkelhäutigen gegenüber Hellhäutigen aus.

Auch zur Hochphase des Kolonialismus im 19. Jahrhundert hatte man dieses rassistische Denken nicht als solches bezeichnet. Man war der Auffassung, Wissen, Bildung und Zivilisation zu verbreiten. Zum einen im klassischen, schulischen und zum anderen in religiösem Sinne. Die Kolonialmächte sprachen davon, sie würden den von Gott gegebenen Auftrag ausführen, den Glauben an ihn zu verbreiten und zu missionieren.

Diese Station zeigte uns deutlich, dass koloniale Denkmuster immer noch in vielen Köpfen verankert sind, denn Tatjana zeigte uns einige Werbebilder aus den letzten Jahren. Diese Bilder stellten Dunkelhäutige als primitive Wilde dar. Wir sollten uns in kleinen Gruppen über die Bilder unterhalten und austauschen und unsere wichtigsten Gedanken im Anschluss vor der Klasse präsentieren. Hierbei kam bei allen Gruppen dasselbe heraus: solche Werbung ist diskriminierend und es ist schockierend, dass so etwas erlaubt ist.

Auf dem Universitätsplatz sprachen wir noch kurz über den Schriftzug, der über dem Haupteingang steht: „Dem lebendigen Geist“ Hierbei kamen wir auf die große Rolle der Wissenschaft und wissenschaftlichen Einrichtungen im Zuge des Kolonialismus vor allem im 19. Jahrhundert zu sprechen. Für die Kolonisation waren Kolonialwissenschaftler sehr wertvoll, wurden gut bezahlt und waren gesellschaftlich gern gesehen, vor allem, wenn sie Vorlesungen über Themen wie „Eigentum & Handel der primitiven Völker“ hielten und damit koloniale Bestrebungen legitimierten.

Als letztes unterhielten wir uns noch gesondert über die Geographie als Wissenschaft, über die gesagt wurde: „Wissen ist Macht, geographisches Wissen ist Weltmacht“. Dies zeigt sich immer noch an unserer Weltkarte. Denn die „klassische“, meistverwendete Weltkarte ist die eurozentrische. Europa befindet sich in der Mitte.
Abschließend kann man sagen, dass unsere Welt und Heidelberg starke Spuren der Kolonialzeit aufweisen, die uns oft nicht auffallen und selbstverständlich für uns sind. Unsere ganze Welt, so wie wir sie heute kennen, ist auch ein Produkt der Kolonialzeit.

Unserer Klasse hat der Ausflug in die Altstadt Heidelberg sehr viel Spaß gemacht und viele haben zunächst vermutet, auf keine kolonialen Spuren in Heidelberg zu stoßen. Darum waren die Ergebnisse und Erkenntnisse für uns umso überraschender. Ganz am Ende würden wir gerne noch den drei Personen danken, die für die Exkursion verantwortlich sind und sie möglich gemacht haben: Herrn Bahn, Herrn Kneller und Frau Poletajew.

Lydia Dopfer und Nora Rühl, Klasse 10F

Weitere Informationen zur Stadtführung „POSTkolonial - Auf den Spuren des Kolonialismus“ finden Sie unter:

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